Der Energieausweis

Hintergründe, Arten, Kosten

Der Energieausweis stellt die Weichen für die Zukunft 

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) ist ein wesentlicher Faktor der deutschen Energiepolitik. Sie stellt ein Instrumentarium dar, bis zum Jahr 2050 bestimmte energiepolitische Ziele zu erreichen.

Die EnEV schreibt vor, einem Käufer oder Mieter eines bebauten Grundstücks oder eines Gebäudes auf Verlangen unverzüglich einen Energieausweis auszustellen (§ 16, Absatz 2, EnEV).

Dieses Dokument gibt einem potenziellen Käufer wichtige Hinweise darauf, wie hoch die energetische Güte seiner künftigen Immobilie einzuschätzen ist.

Man unterscheidet hierbei zwischen zwei verschiedenen Ausweisen:

  1. Im Bedarfsausweis werden der Primär- und der Endenergiebedarf ausgewiesen.
  2. Im Verbrauchsausweis der (End-)Energieverbrauchskennwert.

Was ist der Primärenergiebedarf?

Der Primärenergiebedarf dokumentiert die Energie, welche für die Heizung und für die Warmwasserbereitung benötigt wird. Der Primärenergiebedarf berücksichtigt jedoch einerseits auch die Gesamtmenge der ins Haus gelieferten Energie.

Andererseits spielt hierbei auch der jeweilige Energieträger eine Rolle. Es wird also unterschieden, ob es sich dabei um fossile Brennstoffe wie zum Beispiel Gas oder Öl handelt oder ob regenerative Energien den Bedarf decken.

Hintergrund: Fast 40 Prozent aller Energie entfallen auf Gebäude. Mit immerhin rund einem Drittel der CO2-Emissionen nehmen dabei auch die Heizung und Warmwasserbereitung einen nicht unerheblichen Teil ein.

Ehrgeizige Ziele der Bundesregierung

Um den Primärenergiebedarf möglichst deutlich zu senken, hat die Bundesregierung einen so genannten Klimaschutzplan aufgestellt. Dieser sieht vor, dass der Primärenergiebedarf im Jahr 2050 gegenüber 2008 um 80 Prozent gesenkt werden soll.

Das sind zweifellos ehrgeizige Ziele, die ohne strikte Vorschriften über erlaubte Kosten für Heizung und Warmwasserbereitung in bewohnten Gebäuden nicht erreicht werden könnten.

Auch bei Sanierungen schreibt die EnEV in diesem Zusammenhang pro Jahr einen bestimmten Primärenergieverbrauch vor, der in den jeweiligen Gebäuden nicht überschritten werden darf.

Um all diese Werte einhalten zu können, ist der Energieverbrauch in einem Wohngebäude wichtig und ist bei energetischen Maßnahmen zum Beispiel im Rahmen von Renovierungen, Sanierungen oder Modernisierungen immer als Ausgangs-/Richtwert anzusehen.

Aus diesem Grund ist der Energieausweis von entscheidender Bedeutung.

Eine weitere zwingende Verpflichtung für Hausverkäufer und auch für eine Hausverwaltung besteht seit 2014 darin, bereits in einer entsprechenden Immobilienanzeige die Energieeffizienz anzugeben. Eine Ausnahme hiervon bieten denkmalgeschützte Gebäude.

Unabhängig von der Pflicht des Eigentümers eines Hauses oder einer Wohnung, einem potenziellen Mieter oder Käufer auf dessen Wunsch einen Energieausweis auszuhändigen, kann er zwischen zwei Varianten von Ausweisen wählen:

Der eine bestimmt den Bedarf, der andere den Verbrauch.

Welcher Ausweis ist der richtige?

Der Nachweis des Energieverbrauches eines Gebäudes ist für die objektive Bewertung einer Immobilie also unerlässlich.

Hierbei ist folgendes zu beachten:

Wesentlich aussagekräftige als der Verbrauchsausweis ist der Bedarfsausweis. Bevor er ausgestellt werden kann, werden Haus oder Wohnung einer gründlichen Inspektion unterzogen.

Das bedeutet im Klartext, dass ein autorisierter Begutachter die Immobilie gründlich in Augenschein nimmt und dabei nach energetischen Aspekten bewertet.

Um den theoretischen Energiebedarf richtig einschätzen zu können, wird er hierbei unter anderem darauf achten, ob eine alte oder eine Heizungsanlage modernerer und energiesparender Art installiert ist.

Ein wesentlich Faktor sind auch Fenster.

Sind es alte Elemente, die noch mit Einfachverglasungen ausgerüstet sind oder moderne Fenster mit einer zweifachen oder sogar dreifachen Isolierverglasung?

Der Gutachter wird auch auf eine Dämmung der Außenwände achten:

Ist sie vorhanden oder wurde darauf verzichtet?

Um das Gebäude objektiv mit anderen Objekten vergleichen zu können, lässt der Sachverständige das individuelle Heizverhalten des Eigentümers jedoch außer acht. Hat er die Schwachstellen erkannt, die zu einem erhöhten Energieverbrauch führen, gibt er dem Eigentümer entsprechende fachliche Hinweise, wie er seine Immobilie am besten sanieren, renovieren oder modernisieren kann.

Das ist das entscheidende Merkmal eines Bedarfsausweises. Er gibt nicht nur den tatsächlichen Zustand des Hauses/der Wohnung an, sondern er zeigt vielmehr Möglichkeiten auf, die Immobilie im Rahmen einer energetischen Verbesserung effizient zu verändern und damit künftig erhebliche Kosten einsparen zu können.

Der Verbrauchsausweis

Weniger aussagekräftig dagegen ist der Ausweis über den Verbrauch. Er dokumentiert lediglich, wie hoch die tatsächlich verbrauchte Energie in einem Jahr für Heizung und Warmwasserbereitung betragen haben.

Energetische Schwachstellen werden in diesem Dokument nicht festgehalten.

Jeder Mensch hat einen anderen Anspruch an Wärme und Behaglichkeit in seiner Wohnung. Schon allein deshalb sagt die tatsächlich konsumierte Energie in einem solchen Ausweis nicht gerade sehr viel aus.

Für den verbrauchsorientierten Ausweis müssen auch diverse Kriterien erfüllt sein:

– Das Haus oder Gebäude verfügt über mindestens fünf Wohnungen

– der Bau/eine Nachrüstung haben nach der 1. Wärmeschutzverordnung von 1977 stattgefunden

– es liegt ein Antrag auf Baugenehmigung vor, der nach dem 1. November 1977 gestellt wurde.

Was kostet der Energieausweis in Niedersachsen?

Man muss sich also überlegen, welcher Ausweis für den eigenen Bedarf optimal geeignet ist. Hier gilt es für Eigentümer von Immobilien ebenso wie für eine Hausverwaltung, Kosten und Nutzen sorgfältig gegeneinander abzuwägen.

Die Preise für einen Energieausweis sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, weichen jedoch nicht erheblich voneinander ab.

In Niedersachsen betragen die Preise für einen Bedarfsausweis für ein Ein- bis Zweifamilienhaus rund 500 Euro.

Für einen Verbrauchsausweis dagegen muss mit ca. 100 Euro gerechnet werden.

Im Energieausweis werden in aller Regel auf fünf Seiten das Gebäude beschrieben und Hinweise zu den Angaben über die energetische Qualität der Immobilie gegeben.

Neben dem ermittelten Energiebedarf erhält man Informationen zu Vergleichswerten der Endenergie.

Der Ausweis gibt auch Auskunft über die erfasste – also über die tatsächlich verbrauchte – Energie und erfasst diesen Verbrauch über einen Zeitraum von drei Jahren.

Außerdem enthält er Empfehlungen des Ausstellers über zweckmäßige und möglichst kostengünstige Sanierungsmaßnahmen.

Fazit

Die Energieeinsparverordnung ist mehrfach ergänzt und an neue Erkenntnisse angepasst worden.

Die vierte und letzte Novellierung fand 2014 statt. Sie ist bis heute gültig.

Im Zuge der erheblichen Reduzierung von fossilen Brennstoffen versucht die Bundesregierung, die so genannte Energiewende durch mehrere Maßnahmen einzuleiten. Eine davon ist die Energieeinsparverordnung.

In ihrer aktuellen Fassung hat sie das Ziel, ab 2021 heute schon vorhandene „Niedrigstenergiehäuser“ zum Standard werden zu lassen.

Diese Häuser kommen mit einem Bruchteil der Energie aus, wie sie heute für Wohngebäude aufgewendet werden muss.

Selbstverständlich soll die für Niedrigstenergiehäuser benötigte Energie möglichst aus regenerativen Quellen kommen.

Unbestreitbar ist, dass Bauherren heute keine erheblichen Mehrkosten aufwenden müssen, wenn sie sich für den Neubau eines Gebäudes mit einer hohen Energieeffizienz entscheiden.

Dabei gibt es für solche Fälle besondere Anreize:

Für den Bau von Niedrigstenergiehäusern stehen angehenden Bauherren interessante Fördermittel zur Verfügung. Das ist auch dann der Fall, wenn die Mindestanforderungen an Energieeffizienz der EnEV übertroffen werden.

Wer jedoch bis dahin erst einmal seine Immobilie verkaufen will, kommt um den Energieausweis nicht herum.

(Foto: pixabay.de / horjaraul)

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