Grillen auf dem Balkon

Was ist erlaubt, was nicht?

Grillen auf Balkon und Terrasse – Sommervergnügen pur
Der Grill ist ganz allgemein ein Gerät, mit dem Esswaren wie Fisch, Fleisch, Geflügel sowie andere Grilladen auf einem Rost gebraten, in dem Sinne geröstet werden. Die frühere, ursprüngliche Methode des Grillens ist das Braten über dem offenen Feuer. Wie dem auch sei; jeder weiß, was mit Grillen an lauen Sommerabenden oder am Wochenende gemeint ist; die Grillparty ist ein gemütliches Beisammensein mit verschiedenen Grillspezialitäten, erfrischenden Getränken sowie mit einer gehörigen Portion gute Laune. Grillen ist bei jeder Generation beliebt. Dabei treten die örtlichen Wohnverhältnisse gerne in den Hintergrund, weil der Grillgenuss absolut im Vordergrund steht. Doch ganz so einfach ist die Situation dann nicht, wenn das Grillvergnügen in einem Mehrfamilienhaus stattfindet und nicht im Garten eines freistehenden Einfamilienhauses. Denn zu einer Wohngemeinschaft gehört auch die Rücksichtnahme auf die Mitbewohner neben, über und unter der eigenen Wohnung nebst Balkon.

Grillen mit Holzkohle – auf Brandschutz sowie Belästigung durch Rauch und Geruch achten
Das Nonplusultra ist ein Grillen am offenen Feuer mit Holzkohle als einer speziellen Grillkohle. Eine alternative Form, jedoch mit deutlichen Abstrichen am Grillfeeling, ist das Benutzen eines Elektrogrills. Die Frage lautet „Grillen mit Kohle oder mit Strom“. Dem Besitzer eines Hauses im Grünen stellt sich die Frage nicht, weil er auf keine Nachbarn in unmittelbarer Nähe Rücksicht zu nehmen braucht. Im Mehrfamilienhaus oder in einer Wohnanlage ist das genau umgekehrt. Hier muss jeder auf jeden Rücksicht nehmen; und zwar nicht nur beim Grillen, sondern in vielfältigen Lebenslagen des Alltags. Ein solches rücksichtsvolles Miteinander bezieht sich zum einen auf die Sicherheit, und zum anderen auf den Schutz im Nachbarrecht vor Immissionsbeeinträchtigungen. Einen Anhaltspunkt dazu bietet § 906 BGB, des Bürgerlichen Gesetzbuches. Dort ist von einer „Zuführung von Dämpfen und Gerüchen“ von einem auf das andere Grundstück die Rede. Das lässt sich inhaltlich von einem auf den anderen Balkon in einem Mehrfamilienhaus übertragen. Danach liegt eine unwesentliche, zu duldende Beeinträchtigung dann vor, wenn „…. die in Gesetzen oder Rechtsverordnungen festgelegten Grenz- oder Richtwerte von den nach diesen Vorschriften ermittelten und bewerteten Einwirkungen nicht überschritten werden. Gleiches gilt für Werte in allgemeinen Verwaltungsvorschriften, die nach § 48 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes erlassen worden sind und den Stand der Technik wiedergeben …..“. Diese Gesetzesregelung ist sicherlich eine hilfreiche Orientierung, mehr jedoch nicht. Denn damit ist die Problematik des Grillens auf dem Balkon nicht gelöst.

Ortsrecht einerseits, Hausordnung der Hausverwaltung andererseits
Im allgemeinen Wohn- und Mietrecht ist vieles per Gesetz und Rechtsprechung über alle Instanzen hinweg geregelt, nicht jedoch das Grillen auf dem Balkon. Dazu gibt es weder eine Gesetzesgrundlage noch eine bundeseinheitliche, für alle Immobilienbesitzer und Hausbewohner verbindliche Regelung. Das Grillen wird nicht nur in den Bundesländern unterschiedlich bewertet, sondern zusätzlich auch noch von Gemeinde zu Gemeinde, von Ortschaft zu Ortschaft. Immer geht es dabei um die sogenannte Einzelfallentscheidung. Insofern ist jede Unstimmigkeit unter Nachbarn über das Grillen “auf genau diesem Balkon” eine individuelle Bewertung und Herausforderung für den zuständigen Amtsrichter. In einigen Bundesländern so wie in Bayern gehen mehr und mehr Gemeinden dazu über, eine „Grillsatzung“ als Ortsrecht zu erlassen. Darin wird beispielsweise geregelt

• dass in den Sommermonaten ein Grillen generell geduldet werden muss
• wie oft pro Monat im Sommer gegrillt werden darf
• wie lange abends, am Wochenende sowie an Sonn- und Feiertagen das Grillen gestattet ist

Für das jeweilige Mehrfamilienhaus beziehungsweise für die Wohnanlage ist jedoch letztendlich ausschlaggebend, welche Regelung für das Grillen auf dem Balkon die Hausordnung vorsieht. Angesprochen ist das Grillen auf Holzkohle, also über offenem Feuer mit der dazugehörigen Rauchentwicklung und dem unvermeidbaren Grillgeruch. Diese zwei unmittelbaren Folgen des Grillens sind getrennt von einander zu betrachten.

Balkon gehört zur Wohnfläche von Miet- oder Eigentumswohnung
Grundsätzlich kann der Bewohner in seinen vier Wänden tun und lassen was er will. Das gilt solange, wie keine Mitbewohner davon beeinträchtigt werden. Mehr der guten Ordnung halber wird an dieser Stelle festgehalten, dass der Brandschutz in keiner Situation auch nur ansatzweise beeinträchtigt sein darf. Das ist im Interesse aller Betroffenen. Jetzt geht es um eine mögliche Rauch- und Geruchsbelästigung. Hier kann die für alle Bewohner gleichermaßen geltende Hausordnung klare Vorgaben machen. Vermieter und Hausverwalter haben es also in der Hand, das Grillen auf dem Balkon eindeutig und zweifelsfrei zu regeln.

Die Spanne reicht
• von einem generellen Grillverbot für einen Holzkohlegrill mit der dazugehörigen Rauchbeeinträchtigung
• über den Elektrogrill ohne jede Rauchentwicklung
• bis hin zu überhaupt keiner Regelung zum Grillen auf dem Balkon als ungünstigste Lösung, weil sich jeder Bewohner dazu ermutigt sieht, das zu tun was er will

Übliche Praxis ist es, dass in der Hausordnung klar verständliche Vorgaben über die Verhaltensweise beim Grillen auf dem Balkon gemacht werden. Dem Vermieter und der Hausverwaltung ist bewusst, dass die Balkonbenutzung ein vielfältiges Spannungsfeld unter Mitbewohnern ist. Das reicht vom Rauchen auf dem Balkon über das Grillen und Braten bis hin zu lauter Musik, zu lauter Unterhaltung oder zu überlautem Schreien und Streiten. All das sind Vorgänge, von denen sich die Mitbewohner subjektiv stark beeinträchtigt fühlen und es vielfach auch tatsächlich sind. Grillrauch ist deutlich belästigender als Grillgeruch. Vor diesem Hintergrund ist die „Duldungsschwelle“ für den Rauch eines Holzkohlegrills weitaus sensibler als die für den Geruch von gegrilltem bis hin zu angebranntem Fleisch. Bei Benutzung eines Elektrogrills fällt kein Grillrauch an, sodass dieses Risiko nicht existiert. Hier verbleibt eine mögliche Beeinträchtigung durch den Grillgeruch; und da müssen die Nachbarn, um es etwas lax auszudrücken, einiges aushalten. Denn ob auf dem Balkon oder in der Küche bei geöffnetem Fenster der Elektrogrill benutzt wird, ist weitgehend dasselbe. Die Nachbarn können dem Mitbewohner nicht untersagen, in der Küche seiner Wohnung „den Elektrogrill anzuschmeißen“.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass

• sich die Bewohner im Mehrfamilienhaus respektive in einer Wohnanlage den Spaß am Grillen auf dem Balkon grundsätzlich nicht nehmen lassen müssen

• die Hausverwaltung und der Vermieter ihre Chance nutzen sollten, über die Hausordnung für klare Verhältnisse zu sorgen

• der Brandschutz zu keinem Zeitpunkt des Grillens gefährdet sein darf

• ein Grillen auf dem Holzkohlegrill zwangsläufig das Risiko von Rauchbelästigung nach sich zieht

• bei Benutzung eines Elektrogrills das Risiko von Grillrauch ausgeklammert ist

• die Gefahr einer Geruchsbelästigung durch den Grillvorgang überaus gering ist, weil die Mitbewohner einen zumutbaren Grillgeruch in Kauf nehmen müssen. Sollte diese Grenze wirklich einmal überschritten sein, dann ist erfahrungsgemäß das Grillstück selbst auch nicht mehr genießbar. Das geschieht möglicherweise einmal, aber kein zweites Mal.

Denn wer vergrillt schon gerne oder bewusst sein Grillfleisch, auf das er sich den ganzen Tag gefreut hat?

(Foto: pixabay.de / Free Photos)